Verbandsinterne Quali: Annekatrin Thiele und Reichardt-Zwillinge bereit für nächsten Olympia-Schritt

Rudern

Wer darf im Sommer zu den Olympischen Spielen nach Tokio fahren? In welcher Konstellation dürfen die deutschen Ruderinnen die fehlenden Quotenplätze für die Bootsklassen in Angriff nehmen? Für Antworten soll eine verbandsinterne Qualifikation des Deutschen Ruderverbandes am Freitag und Samstag sorgen. Dabei sind mit Annekatrin Thiele sowie Johanna und Marion Reichardt auch drei Athletinnen des SC DHfK Leipzig in Portugal am Start.

Hoffen, sich über eine gute interne Quali für die Olympiaboote anbieten zu können: die SC DHfK-Ruderinnen Annekatrin Thiele, Marion und Johanna Reichardt. Fotos: Peter Sack & SC DHfK Leipzig

Montemor-o-Velho (Portugal). „Wir werden alles geben und dann schauen, wofür es reicht.“ Johanna und Marion Reichardt, Leichtgewichts-Ruderinnen des SC DHfK Leipzig, wollen ihre – wenn auch kleine – Olympia-Chance nutzen. „Schon als Jugendliche haben wir davon geträumt, gemeinsam in einem Boot zu den Olympischen Spielen zu fahren.“ Nun öffnet sich in diesem Jahr, ihrem ersten bei der Elite, ein kleiner Türspalt: In Tokio wird der Leichtgewichts-Doppelzweier das letzte Mal zum olympischen Programm gehören. Um sich ihren Traum erfüllen zu können, müssen die 23-jährigen Zwillinge jedoch noch zwei Hürden überwinden.

Nummer eins wartet diesen Freitag und Samstag: Im portugiesischen Montemor-o-Velho müssen sich die beiden in der internen Qualifikation des Deutschen Ruderverbandes gegen zwei weitere Boote durchsetzen – darunter das deutsche Olympia-Boot von 2016 mit der zweifachen Olympia-Teilnehmerin sowie mehrfachen Weltmeisterin Marie-Louise Dräger und Bootspartnerin Ronja Fini Sturm (u.a. WM-Dritte im Leichtgewichts-Doppelvierer 2018 und 2019). Im zweiten Boot starten Leonie Pless und Katrin Thoma. Mit ihren Gegnerinnen haben sich die Leipziger Zwillinge aber nur kurz beschäftigt, fokussieren sich stattdessen komplett auf sich selbst: „Natürlich ist die Konkurrenz stark. Aber sich einschüchtern zu lassen, ist das Schlechteste, was wir machen können. Deshalb gehen wir selbstbewusst in die Rennen“, sagt Marion Reichardt.

Trainiert hätten sie in den vergangenen Monaten, u.a. im Trainingslager in Aserbaidschan, so hart wie noch nie. „Auch die Vorbelastungsstrecke hier in Portugal lief sehr gut. Wir fühlen uns stark und müssen diese Kraft nun gemeinsam im Wettkampf nutzen“, sagt Johanna Reichardt. Trainer Rüdiger Hauffe bewundert den Ehrgeiz seiner Schützlinge: „Ich ziehe meinen Hut davor, dass sie sich als absolute Youngster in dem Feld dieser riesengroßen Herausforderung stellen möchten. Physisch sind die beiden sehr gut vorbereitet. Wofür es am Ende reicht, werden wir sehen. Sie haben in jedem Fall alles dafür getan und nichts zu verlieren. Sich mit solchen Weltklasse-Athletinnen zu messen – davon können sie nur profitieren und die Erfahrungen für ihre weitere sportliche Laufbahn mitnehmen.“

Drei Rennen werden im Leichtgewichts-Doppelzweier am Freitag und Samstag über die 2000 Meter-Strecke gefahren. Das schnellste deutsche Boot hat dann die Chance, in der Nachqualifikation in Luzern Mitte Mai (17.-19.5.) einen Startplatz für Olympia zu ergattern.

Annekatrin Thiele hofft auf ihre vierte Olympia-Teilnahme

Während es für Johanna und Marion Reichardt die ersten Olympischen Spiele wären, könnte es für die erfahrene SC DHfK-Skullerin Annekatrin Thiele in Tokio bereits die vierte Teilnahme werden (2008 Silber im Doppelzweier; 2012 Silber im Doppelvierer; 2016 Gold im Doppelvierer). Für die 35-Jährige geht es zuvor aber ebenfalls am Freitag und Samstag darum, sich in der internen Quali bestmöglich zu präsentieren, um auf den Olympiazug aufzuspringen. Nach welchem Prozedere der nationale Ausscheid der zehn Skullerinnen ausgefahren wird, stand am Mittwoch noch nicht fest.

„Wir werden am Freitag sicher ein oder zwei Läufe im Einer fahren, am Samstag dann vielleicht im Doppelzweier“, vermutet Thiele. Dass der genaue Ablauf erst so spät feststehe, nehme sie mit Gelassenheit. „Wichtig ist, dass ich am Ende im Rennen schnell fahre“, sagt die Leipzigerin, die noch etwas mit ihrer Leistung im Ergometer-Test letzte Woche hadert. „Ich kann mir nicht erklären, warum es dort nicht so gut lief. Natürlich wäre ich gern mit etwas mehr Sicherheit nach Portugal gereist, aber Wasser ist auch nochmal etwas anderes als Ergometer-Rudern.“

Über ihren Einsatz in möglichen Bootsklassen macht sich die SC DHfK-Athletin noch keine Gedanken. „Wichtig ist für mich erst einmal, eine gute Einer-Leistung zu zeigen.“ Dann werde man sehen, mit wem der Deutsche Ruderverband den Einer, Doppelzweier und Doppelvierer besetze. Letzterer ist durch WM-Platz vier im vergangenen Jahr schon für Olympia qualifiziert. Im Einer und Doppelzweier steht erst noch die Nachquali in Luzern an. 2019 hatte es Thiele mit WM-Platz 13 im Einer leider verpasst, den Quotenplatz für diese Bootsklasse bereits zu sichern. Eine Nachquali sei sie bislang noch nicht gefahren, aber erst einmal gelte der volle Fokus dem internen Ausscheid.