Rückblick auf die U23 WM in Sarasota

Rudern

die WM aus Johanna's Sicht.

4 Wochen UWV (Unmittelbare Wettkampf-Vorbereitung) in Ratzeburg: Umfangreiches Training auf den Wellen des Ratzeburger Sees, schnelle Strecken in der Regattabahn auf dem Küchensee ergänzt durch Athletiktraining und Ergofahren in der Hitzekammer zur Akklimatisierung.

Nach dieser perfekten Vorbereitung ging es nach Sarasota (Florida), wo ich am liebsten gleich die Regattastrecke getestet hätte, mich die ersten Tage allerdings mit Laufen und Ergofahren begnügen musste. Die Boote waren noch nicht angekommen.

Im Nachhinein glaube ich, das war sehr gut so. So konnte ich in Ruhe den Reise-Rost weglaufen und den Kopf an die Sonne gewöhnen, bevor ich ins Boot stieg. Die ersten Fahrten enttäuschten - ich schaffte es nicht mit den anderen Skulls stabil auszuheben. Doch für dieses Problem fand Herr Hauffe die Lösung: Er besorgte mir von Empacher meine gewohnten Skulls und wie von Zauberhand fühlte ich mich wieder in meinem Boot zu Hause! Höchste Zeit denn die WM wurde eröffnet.

Im Vorlauf erst mal Vollgas um zu testen, wie schnell die Gegner sind und vor allem, wie schnell ich selber bin. Dieses warme, "Dünnflüssige" Wasser macht Spaß, das Boot läuft. Ich war ziemlich überrascht, meinen Vorlauf deutlich gewinnen zu können. Erwartet hatte ich einen harten Kampf um den direkten Einzug ins Halbfinale.

Dort traf ich dann auf stärkere Gegnerinnen aus Großbritannien. Nachdem ich einen Spätstart hinlegte, über die Strecke jedoch alle überholen konnte, zog die Britin mit einem Wahnsinnsendspurt noch an mir vorbei. Egal, Minimalziel "Finale" erreicht.

Vor dem Start des Finalrennens war ich so nervös, dass es kaum auszuhalten war. Aber sofort nach dem Start des Rennens fand ich meinen Rhythmus und spürte meine volle Power. Genial. Schon auf den ersten 500 Meters teilte sich das Feld: vorne Österreich, dahinter Großbritannien und ich auf gleicher Höhe. Die übrigen drei Boote (Schweiz, USA und Hongkong) fielen schon etwas zurück. Als ich nach mehr als der Hälfte der Strecke deutlich nach vorn rausfahren konnte, war ich selber erstaunt. Ich kontrollierte, dass ich locker und ökonomisch rudere, ja, alles gut, Boot läuft, fantastisch, so weiterfahren. Obwohl ich eine Länge vor Susannna Dunkan rausgerudert war und mit voller Kraft versuchte meinen Bugball über die Ziellinie zu retten, überspurtete mich die Britin erneut. Also wie im Halbfinale, Großbritannien vor Deutschland und Österreich. Was für ein tolles Rennen!

Johanna Reichardt